Kapitel 2 - Fächer im Studiengang Theologie

Im Folgenden stellen aktive oder ehemalige Dozierende ihre Semesterfächer kurz vor. Dabei werden bereits unterschiedliche theologische Ansätze und Denkstile sowie verschiedene methodische Verfahren erkennbar, denen Sie im Laufe des STh begegnen werden.

Das Erste (Alte) Testament ist gegenüber dem Neuen (Zweiten) Testament keine Bibel minderen Ranges, so wenig wie umgekehrt das Neue Testament die überlegene und schlechthin «bessere Hälfte» der Bibel ist. Die bleibende Bedeutung beider Testamente ergibt sich aus der Tatsache, dass das Christentum sowohl an Jesus Christus als auch an den Gott Israels glaubt. Deshalb kommt auch der alttestamentlichen Theologie ein wichtiger Stellenwert zu. Das Erste Testament hat für uns Christen nicht nur seine Bedeutung als Vorbild und Schatten des Neuen. Es enthält vielmehr eine eigene, heute noch gültige Botschaft, die für unseren christlichen Glauben von
grosser Wichtigkeit ist. Dieser Standpunkt erlaubt deshalb eine ungezwungene Auslegung des Alten Testaments und verpflichtet den Theologen nicht, die Texte nur vom Christusereignis her zu deuten.

Die Wissenschaft, die sich mit dem Ersten Testament auseinander setzt, nennen wir alttestamentliche Exegese. Sie versteht sich als eine historisch-kritische Wissenschaft. Sie ist historisch, weil es ihr um die Vergegenwärtigung eines Textsinnes geht, der in der Vergangenheit formuliert wurde. Sie ist kritisch, weil sie sich über alle traditionell mit den Texten verbundenen Meinungen hinwegsetzt und eigene Nachforschungen betreibt. Der Ausleger muss deshalb bereit sein, die dogmatischen Überzeugungen der Kirche, die traditionellen Ansichten der Wissenschaft und selbst sein eigenes Glaubensverständnis zu suspendieren, um wirklich sachlich auf den biblischen Text zu hören.

Die Exegese ist aber auf die Zusammenarbeit mit den andern theologischen Disziplinen angewiesen. Soll sie ihr Ziel der Vergegenwärtigung des biblischen Zeugnisses erreichen, muss der Ausleger den Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Theologie als ganzer im Auge behalten. Deshalb muss er mit den systematischen und praktischen Fächern im Gespräch bleiben. Aber auch die anderen theologischen Disziplinen dürfen nicht vergessen, dass die Vernachlässigung der Exegese zur Verwilderung der Theologie und zur Verarmung der Predigt und Katechese führt.

Die alttestamentliche Exegese erfüllt ihre Aufgabe in folgenden Arbeitsgängen:

  • Die Einleitungswissenschaft befasst sich mit den Vorfragen, nämlich der Inspirationslehre, Kanonlehre, Textkritik und Textgeschichtesowie der Hermeneutik (= Lehre von den Prinzipien und Normen der Schriftauslegung).
  • Die biblische Zeitgeschichte untersucht die geschichtliche Welt und Umwelt der biblischen Bücher. Die Exegese im eigentlichen Sinn ist die Auslegung der biblischen Texte mit wissenschaftlichen Mitteln.
  • Die biblische Theologie ist die «Frucht der exegetischen Bemühungen» (Heinrich Schlier). Sie erhebt, ordnet und stellt die theologischen Gedanken, die in der Bibel ausdrücklich oder indirekt ausgesprochen werden, in ihrem inneren Zusammenhang dar.

Im Studiengang Theologie werden folgende Gesichtspunkte und Themen behandelt:

  • Zunächst versuchen wir einen Überblick über die Geschichte Israels zu gewinnen. Wenn auch die Historizität vieler biblischer Aussagen umstritten ist, bleibt die Bibel doch ein Geschichtsbuch aussergewöhnlicher
    Art. Um die Texte zu verstehen, muss man sie historisch richtig orten.
  • Dann werden die biblischen Schriften vorgestellt. Grossen Wert legen wir auf die Entstehung und Sammlung der einzelnen mündlichen und schriftlichen Traditionen, die dem Pentateuch (fünf Bücher Moses), den prophetischen Schriften und der Weisheitsliteratur zugrunde liegen.
  • Schliesslich geht es um die Anleitung zur Textauslegung. Da für den alttestamentlichen Stoff nur zwei Semester zur Verfügung stehen, wird an einzelnen Textbeispielen geübt, wie man an die Bibeltexte herangeht.

Im ersten Teil – Erstes Testament 1 – begegnen wir nach der Behandlung der wichtigsten Einleitungsfragen der Gestalt Abrahams als Träger von Verheissung und Segen und als Modell unseres eigenen Glaubens. Sodann  efassen wir uns mit der grossen Befreiungstat Gottes in der Herausführung des Volkes aus Ägypten und mit dem Gottesverhältnis Israels, welches das Alte Testament als Bund zwischen Jahwe und seinem Volk versteht.

Danach verfolgen wir die Geschichte Israels weiter von der Landnahme bis zur Entstehung des davidischen Königtums.

Im zweiten Teil – Erstes Testament 2 – lernen wir die Heilsbotschaft der Propheten und die Antwort des Volkes und seiner Könige kennen und versuchen die Psalmen als Gebetbuch des Alten Testaments zu lesen. Anschliessend nehmen wir den Faden der biblischen Geschichte wieder auf und verfolgen die Auswirkungen des babylonischen Exils auf die alttestamentliche Glaubensgeschichte. In der Spätzeit des Alten Testaments begegnen wir schliesslich der biblischen Weisheitslehre und den verschiedenen Zukunftserwartungen des alttestamentlichen Judentums.

Walter Bühlmann

Wer sich direkt und gründlich über Jesus von Nazaret und den Ursprung des christlichen Glaubens informieren will, kommt am Studium des Neuen Testaments nicht vorbei. Denn am Anfang der christlichen Überlieferung stehen die neutestamentlichen Schriften, die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und vor allem die Briefe des Apostels Paulus. Sie sind die wichtigste und fast ausschliessliche Quelle für unser Wissen über Jesus. Denn ausserchristliche Zeugnisse über Jesus gibt es fast keine. Die einzelnen Schriften des Neuen Testaments sind in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts entstanden. Sie enthalten das apostolische und urkirchliche Zeugnis über das Leben und Wirken Jesu. Sie verkünden seine Botschaft, erklären sie und wenden sie an auf das Leben, die Fragen und Nöte der Urkirche und ihrer Zeit. Sie sind darum nicht nur Lehre und Verkündigung, sondern auch ein Niederschlag, ein Zeugnis des urchristlichen und urkirchlichen Lebens.

Von den Schriften des Neuen Testaments sagen die christlichen Kirchen, dass sie nicht nur ein Werk des menschlichen Geistes seien, sondern dass sich Gottes Wort und frohe Botschaft darin findet. Das Gotteswort der Schrift ist aber auch und zunächst Menschenwort. Die Schriften des Neuen Testaments wurden von lebendigen Menschen des 1. und 2. Jahrhunderts geschrieben. Und diese Menschen schrieben so, wie sie waren, dachten, empfanden und sprachen, so wie sie glaubten und lebten, so wie es ihre Leserinnen und Leser nötig hatten und verstehen konnten. Sie redeten und schrieben in der Sprache, in den Bildern und Vorstellungen ihrer Zeit und Kultur. Ihr Handeln, Glauben und Hoffen war geprägt von den politischen, sozialen und ökonomischen  Verhältnissen ihrer Zeit. So liegt das Neue Testament nicht als reines Zeugnis Gottes in himmlischer Sprache und einheitlicher Gestalt vor uns, sondern als griechisch geschriebenes Buch des 1. und 2. Jahrhunderts, bestehend aus 27 verschiedenen Schriften von verschiedenen Verfassern, von denen jeder auf seine Art, gemäss seiner literarischen und theologischen Bildung, gemäss seiner persönlichen Begabung und entsprechend den Bedürfnissen der LeserInnen die christliche Botschaft weitergab.

Von daher ergibt sich die anspruchsvolle Aufgabe der Bibelwissenschaft, das Neue Testament für Leserinnen und Leser anderer Zeiten, Sprachen und Kulturen immer neu zu übersetzen und zu erschliessen. Die sogenannte historisch-kritische Methode liefert das Instrumentarium für ein angemessenes Verstehen der Schriften des Neuen Testaments vor ihrem geschichtlichen Hintergrund. Gleichzeitig sind wir uns aber auch bewusst, dass es nicht die einzig »richtige« Interpretation der neutestamentlichen Schriften gibt, sondern dass Interpretation ein Gespräch vieler Stimmen ist, so wie auch die Frohe Botschaft von Anfang an ein Gespräch ist, das in 27 Schriften ein vielstimmiges Zeugnis über den Glauben der frühen Kirche gibt und zum Glauben und Handeln anstiften will – bis heute. Unsere Einführung in das Neue Testament will dazu befähigen, die neutestamentlichen Schriften in ihrer Zeit verstehen zu lernen, eigene Standpunkte und Glaubensoptionen zu reflektieren und sich kompetent in das Gespräch der Interpretation einzumischen.

Im Zentrum des ersten Teilfachs – Neues Testament 1 – steht die Einführung in die vier Evangelien: Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Wir nehmen sie als literarische Werke wahr, die aufmerksam und aktiv von Anfang bis Ende gelesen werden wollen. Die sorgfältige Lektüre erschliesst Gliederungen, Sinnlinien und theologische Akzente der einzelnen Schriften. Von hier aus wird nach den Entstehungsbedingungen der Evangelien, ihren VerfasserInnen und AdressatInnen sowie in einem weiteren Schritt nach dem historischen Jesus und seiner Botschaft zurück gefragt.

Im Zentrum des zweiten Teilfachs – Neues Testament 2 – stehen Paulus und seine Briefe, die weitere Briefliteratur, die Apostelgeschichte sowie die Johannesoffenbarung; sie werden auf ähnliche  Weise erschlossen. Damit erarbeiten wir im Laufe der beiden neutestamentlichen Fächer zentrale Texte des Neuen Testaments und geben zugleich ein Instrumentarium an die Hand gegeben, das hilft, die Lektüre mit anderen biblischen (und ausserbiblischen) Schriften fortzusetzen.

Beat Schlauri
Sabine Bieberstein

Was ist Kirchengeschichte? Da gab und  gibt es mittlerweile ungezählte Definitionen, die auch einiges über den Standort des Betrachters verraten. Die Kirchengeschichte ist «die Geschichte des Reiches Gottes auf Erden», lautete eine alte katholische Umschreibung. Eine pointiert protestantische Betrachtungsweise definierte einmal die Kirchengeschichte als «die Geschichte der Auslegung der Heiligen Schrift». Beide Definitionen sind in ihrer Art
extrem und darum untauglich. Die Kirche war und ist nicht einfach das Reich Gottes, das Christentum ist aber auch nicht eine Buchreligion, deren Leben sich im Lesen und Ausdeuten der Bibel einfangen liesse.

Das Christentum lebte von Anfang an immer als Gemeinschaft. Darum ist die Geschichte des Christentums letztlich identisch mit Kirchengeschichte. Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben und doch ChristInnen sein wollen, leben trotz allem, nicht zuletzt in ihrem Protest, von der Kirche.

Im Rahmen des Semesterfaches Kirchengeschichte verfolgen wir den Weg der katholischen Kirche, aber auch der anderen christlichen Grosskirchen. Traditionell wird die Kirchengeschichte folgendermassen eingeteilt:

  • Alte Kirche: Zeit der ersten Jahrhunderte im griechisch-römischen Kulturbereich
  • Mittelalterliche Kirchengeschichte: Sie umfasst die Zeit zwischen 500und 1500 vorab im katholischen Raum Mittel- und Westeuropas
  • Neuere und neueste Kirchengeschichte: ab 1500 bis zur Gegenwart

Der Gang in die Geschichte will uns helfen, die Gegenwart besser zu verstehen, und uns Einsichten in die Hand geben zur Bewältigung der Zukunft. Sie ist keine Flucht in die Vergangenheit, sie bewahrt uns vielmehr vor einer

Flucht in eine angeblich bessere Vergangenheit, aber auch vor einer utopischen, geschichtslosen Flucht in die Zukunft. Es ist klar, dass wir in den Vorlesungen nur ausgewählte Themen, vor allem auch aus der neueren Geschichte eingehend behandeln können.

Albert Gasser

2 600 Jahre lang hat die abendländische Philosophie Antworten gefunden auf kritische persönliche und gesellschaftliche Situationen. Von ihr ging der Antrieb des Infragestellens und Erforschens aus. Sie konzentrierte sich auf das Denken, das Handeln und das Erkennen des Menschen sowie dessen Eingebundenheit in den Kosmos. Die Fragen der Philosophie fangen oft erst da an, wo andere überzeugt sind: «So ist es».

Philosophie heisst Liebe zur Weisheit. Doch wer sich mit der Philosophie zu beschäftigen beginnt, fühlt sich nicht selten durch die sperrige sprachliche Gestalt philosophischer Texte zurückgestossen. Diese Abwehr ist greifbar in Wendungen wie: Die Philosophie ist zu kompliziert. Ich verstehe sie nicht. Mir ist sie zu hoch. Das ist eine Sache für Fachleute. Ich habe dafür keine Begabung. Daher geht sie mich nichts an. – Aber das ist, als ob man sagen
wollte: Um die Grundfragen des Lebens braucht man sich nicht zu kümmern, man darf sich, mehr oder weniger gedankenlos, in irgendeiner Sache der Praxis ohne die Frage nach deren Sinn verlieren und im Übrigen seine Meinungen haben und damit zufrieden sein.

Wer lebt, ist ständig unterwegs, bei der Besorgung von Alltagsdingen, auf Reisen, in Gedanken, auf seinem Lebensweg. Nur so können wir uns das Lebensnotwendige beschaffen, die Welt kennenlernen und damit auch uns selbst. Was uns begegnet, erscheint uns so bekannt und alltäglich zu sein wie das Wetter: Glück und Leid, Krieg und Frieden, Geburt und Tod, Wiederholung und Vergänglichkeit, Wahrheit und Lüge, die anderen und wir selbst. Bei genauerem Hinsehen jedoch steckt dieser Alltag voller Rätsel, entpuppt sich unser Leben als eine «wahrhaft ungeheure Reise » (Jostein Gaarder, Sofies Welt) voller Merkwürdigkeiten, Geheimnisse und ungelöster Fragen. Uns dafür die Augen zu öffnen, war und ist die Aufgabe der Philosophie als der Liebe zur Weisheit zu allen Zeiten. Auf verschiedenen Wegen verfolgt sie dabei letztlich nur ein Ziel, nämlich: begreiflich(er) zu machen, was wir als Menschen sind – in unserem Selbstverständnis, unserem Verhältnis zur Wirklichkeit und in unserem Verhältnis zu Gott.

Worin liegt nun die Bedeutung der Philosophie für die Theologie? Wenn auch die Grundfunktionen von Philosophie und Theologie identisch sind, so üben sie diese dennoch mit verschiedenen Methoden aus. Während die Theologie auf ihre Dokumente abgestützt ist, bemüht sich die Philosophie, ihre Einsichten mit blosser Vernunft aufzuweisen. Philosophie ist Vernunftwissenschaft. Auch die Theologie ist in dem Sinne Vernunftwissenschaft, als sie bestrebt ist, den religiösen Glauben systematisch zu entfalten. Aber die Theologie hat ausser der Vernunft noch die Offenbarung.

Aus ihrer souveränen Position als Vernunftwissenschaft heraus ist die Philosophie in der Lage zu zeigen, was die Vernunft als Gabe Gottes auch für den Glauben und für die Theologie zu leisten vermag. Nicht zuletzt zeigt sie dies durch kritisches Hinterfragen, durch Ausarbeitung einer dialogfähigen Terminologie und durch die Reflexion der Grundlagen und Voraussetzungen der Theologie.

Ursula Port Beeler

Im öffentlichen Bewusstsein gerät heute, wie niemals zuvor, sehr schnell jede Art von religiöser Haltung und schon gar jede Form christlichen Glaubens unter den Verdacht des Fundamentalismus. Gerade um dem  Fundamentalismus zu entgehen, muss redlich und kritisch nach dem Fundament des Glaubens gefragt werden. Die Fundamentaltheologie fragt also in jeweils neuen, veränderten Lebens- und Glaubensbedingungen nach dem bleibenden Fundament von Religion und Religiosität allgemein, von Christentum und Kirche im Besonderen. Und zwar tut sie dies in doppelter Stossrichtung: einerseits gegenüber der relativistischen Bestreitung des Sinnes von christlichem Glauben und andererseits gegenüber der fundamentalistischen Zementierung einer bestimmten Prägung des Glaubens. Die Aufgabe der Fundamentaltheologie lässt sich von daher vergleichen mit der Vorbereitung der Renovation eines Hauses: Wer renovieren, also erneuern will, muss wissen, welches die Fundamente sind, wo tragende Pfeiler und Balken sich befinden. Wer das nicht weiss, bringt entweder sein Haus zum Einsturz oder aber er renoviert nicht wirklich, sondern restauriert lediglich. Ersteres arbeitet der relativistischen Bestreitung in die Hände, letzteres lässt christlichen Glauben als überholt erscheinen. Beides aber macht Glauben unter veränderten Lebensbedingungen unglaubwürdig, ja unvernünftig.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Fundamentaltheologie auf ihrer Suche nach tragenden Fundamenten drei radikalen Fragen offen und sorgfältig zu stellen:

  • Worin bestehen der Sinn und die Berechtigung von Religion und religiöser Lebenshaltung?
  • Worin bestehen der Sinn und die Berechtigung des christlichen Offenbarungsglaubens?
  • Worin bestehen der Sinn und die Berechtigung der Kirche als Glaubensgemeinschaft?

Es geht also um die Frage nach den Fundamenten von Religion überhaupt und von Christentum und Kirche im Besonderen, und zwar angesichts der Herausforderungen der heutigen Lebenswelt. Die Beantwortung dieser drei Fragen hat einerseits einen funktionalen und hermeneutischen Aspekt: Verhilft eine religiöse, christliche und kirchliche Existenz zu einem ganzheitlich gelingenden Leben aller? Wie steht es um unsere Gesellschaft; von welchen Mechanismen ist sie bestimmt? Was bedeuten in solchem Umfeld Heil und Religiosität, was Offenbarung Gottes und Glaube? Welchen Stellenwert haben die Wunder und besonders die Auferstehung Jesu? Welche Option und
Parteilichkeit fordert die christliche Glaubenspraxis? Wie verhält sich das Christentum zu Kirche und Kirchen, zu anderen Religionen? – Hier geht es darum, die Unvollkommenheit, Zerrissenheit und Unversöhntheit der Welt und des menschlichen Lebens zur Kenntnis zu nehmen und von innen heraus (anhand der Selbstzeugnisse) zu prüfen, ob Religionen, Christentum und Kirche zum Heilwerden wirklich etwas beitragen können und sich deshalb als sinnvoll erweisen.

Andererseits hat der Antwortversuch gleichzeitig einen apologetischen Aspekt: Lässt sich eine religiöse, christliche und kirchliche Existenz vernünftig rechtfertigen und begründen? Ist es angesichts des unsäglichen Leidens und der unzähligen Opfer der Geschichte nicht unvernünftig, an einen göttlichen Gesamtsinn zu glauben? Kann Gott sich uns Menschen überhaupt offenbaren, und hat er es in der jüdisch-christlichen Tradition getan? Ist die Bibel wirklich inspiriert? Wer kann diese verbindlich auslegen? – Hier ist eine redliche Auseinandersetzung mit Anfragen von aussen her, seitens der Religions- und Christentumskritik, vonnöten, um Sinn  und Berechtigung christlichen Glaubens gegenüber anderen Sinnangeboten zu profilieren.

Dieses anspruchsvolle und umfangreiche Programm der Fundamentaltheologie verlangt eine Vernetzung mit anderen Disziplinen –  innerhalb der Theologie besonders mit der Dogmatik, der Bibelwissenschaft und der Praktischen Theologie sowie darüber hinaus mit Philosophie, Religionswissenschaft und Sozialwissenschaften. Darin liegt allerdings auch etwas Tröstliches: Obwohl ein Semester in Inhalte und Vorgehensweise der Fundamentaltheologie  nur einen kleinen Einblick zu geben vermag, wird das fundamentaltheologische Programm im STh auch von anderen Fächern kraftvoll unterstützt und vorangetrieben, so dass sich am Ende ein Puzzle zusammenfügt, das zur Bereitschaft ermutigt und befähigt, jederzeit allen «Rede und Antwort zu stehen, die nach der Hoffnung fragen, die uns erfüllt».

Felix Senn

Der Name Dogmatik als Bezeichnung eines theologischen Faches hat eine längere Tradition, ist aber nicht in jeder Hinsicht ein günstiger Ausdruck, weil er unter Umständen auch Missverständnisse hervorrufen kann. Es sind daher zunächst einige erklärende und abgrenzende Hinweise nötig.

Zum Inhalt und Umfang der dogmatischen Theologie und zum Ausdruck «Dogma»

Vom Begriff her könnte man Dogmatik als Darlegung und Erklärung der Dogmen im eigentlichen und engeren Sinn verstehen, also jener Glaubensentscheidungen und Glaubenssätze, die von Konzilien oder Päpsten ausdrücklich und feierlich als wichtige und für die ganze Kirche verbindliche Glaubenswahrheiten verkündet wurden.

Sicher gehören diese eigentlichen Dogmen auch und mit einem wichtigen Stellenwert zum Inhalt der Dogmatik. Aber der Inhalt der Dogmatik ist noch viel umfangreicher und umfassender. Es geht um die christliche Glaubenslehre, die uns in den biblischen Zeugnissen verkündet wird und die auch in der ganzen weiteren christlich-kirchlichen Glaubensgeschichte im Licht der biblischen Zeugnisse und unter Führung des Heiligen Geistes weiterbezeugt wird.

Dabei ist es für die Wichtigkeit eines dogmatisch-theologischen Themas nicht entscheidend, ob der betreffende Glaubensinhalt je von einem Konzil oder durch eine päpstliche Lehrentscheidung als formelles Dogma verkündet wurde. Denn die Verkündigung von Dogmen hing meist von historischen Situationen ab, von konkreten Gefährdungen oder Leugnungen bestimmter Glaubenswahrheiten. So gibt es zentrale und grundlegende christliche Glaubenswahrheiten, die – weil nie direkt in Frage gestellt oder bestritten – nie eine ausdrückliche dogmatische Verteidigung durch ein Konzil oder eine päpstliche Lehrentscheidung benötigten. Der Glaube an die Existenz Gottes oder an die Auferstehung und das ewige Leben wurde beispielsweise nie durch ausführliche Konzilsentscheidungen bekräftigt und verteidigt, während es für das Christusbekenntnis (alte Konzilien) oder für die
Sakramente (Konzil von Trient) eingehende konziliare Auseinandersetzungen und Entscheidungen gibt.

Die Dogmatik als thematisch-systematische Theologie

Das Besondere und Spezifische der Dogmatik liegt in der thematisch-systematischen Darstellung des christlichen Glaubens. Dadurch unterscheidet sich die Dogmatik von den biblischen Wissenschaften mit ihrer Bearbeitung und Erklärung der biblischen Schriften, die ja eben nicht thematisch aufgebaut sind; so müssen wir z. B. neutestamentliche Aussagen über das christliche Gottesbild oder über die Eucharistie in allen neutestamentlichen Schriften zusammensuchen und können sie nicht schon in je einem neutestamentlichen Buch zusammengefasst finden. Ähnlich unterscheidet sich die Dogmatik auch von den historischen Fächern (Kirchengeschichte, Theologiegeschichte, Konziliengeschichte), die ja als Aufbauprinzip nicht die einzelnen inhaltlichen Themen haben, sondern die einzelnen geschichtlichen Epochen mit ihren ganz verschiedenen theologisch-kirchlichen Verhältnissen, Problemen und Entwicklungen. Die Dogmatik hat dem gegenüber die Aufgabe, die einzelnen Themen und Inhalte des christlichen Glaubens, die in den grundlegenden Zeugnissen der Bibel und in den  Zeugnissen der weiteren christlichen Glaubenstradition vielfältig zum Ausdruck kommen, thematisch zusammenzufassen, zu ordnen und im Kontext eines heutigen glaubenden Nachdenkens darzulegen und zu interpretieren.
Sie ist also Verkündigung der biblischen Grundgehalte in unsere Zeit und Gesellschaft hinein. Innerhalb der evangelischen Theologie wird das entsprechende Fach, das katholischerseits als Dogmatik bezeichnet wird,  systematische Theologie genannt, eine Bezeichnung, die diese thematisch-systematische Aufgabenstellungdeutlicher zum Ausdruck bringt.

Aufbau und Gliederung der Dogmatik

Die Einteilung und Gliederung der Dogmatik wird meist nach jenem inhaltlichen Aufbauplan gestaltet, den wir schon in den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen vorfinden. Die alten Glaubensbekenntnisse (besonders das Apostolische Glaubensbekenntnis und das grosse Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel) sind aus dem Bestreben entstanden, die wesentlichen christlichen Glaubenswahrheiten kurz zusammenzufassen, dafür wurde ein dreigliedrig-trinitarischer Aufbau gewählt:

  • Glaube an Gott den Vater und Schöpfer und Bekenntnis zur Welt als Gottes Schöpfung;
  • Glaube an Jesus Christus, sein Leben und Wirken, sein Leiden, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung und an die darin begründete Erlösung;
  • Glaube an den Hl. Geist und an Gottes Heils- und Heiligungswirken durch Christus im Hl. Geist, das in Kirche und Sakramenten bezeugt und vermittelt wird und in Auferstehung und Reich Gottes seine Vollendung findet.

Nach diesem Aufbauplan, dem die Dogmatik-Lehrbücher meist gefolgt sind, wird auch der dogmatische Teil des Studiengangs Theologie gestaltet:

  • Dogmatik 1: Die Lehre von Gott und die Lehre von der Schöpfung (Gottes- und Schöpfungslehre).
  • Dogmatik 2: Die Lehre von Jesus Christus und von der Erlösung (Christologie und Soteriologie).
  • Dogmatik 3: Die Lehre vom Heiligen Geist, von der Kirche und von der Vollendung im Reich Gottes (Pneumatologie, Ekklesiologie und Eschatologie).

Die Sakramentenlehre, die ebenfalls ein wichtiger Traktat innerhalb der Dogmatik ist, wird ausführlicher in der Liturgiewissenschaft behandelt, um unnötige Doppelungen zu vermeiden; denn die Sakramente haben nicht nur einen dogmatischen, sondern ebenso einen stark liturgischen Aspekt.

Sigisbert Regli
Josef Manser
Felix Senn

Als eigenes Fach ist die Liturgiewissenschaft eines der jüngsten innerhalb des Theologiestudiums: Das Zweite Vatikanum hat ihren Rang hoch eingeschätzt und von einem Hauptfach gesprochen, so dass in der Folge eigene Lehrstühle eingerichtet wurden. Natürlich kam die Liturgie auch vorher im Studium vor: unter anderen in der Kirchengeschichte oder im Kirchenrecht, vor allem aber in der Dogmatik und in der Moraltheologie. Gottes Zuwendung zum Menschen in den Sakramenten, die ja als Liturgie gefeiert werden, war Thema im dogmatischen Traktat Sakramentenlehre. Die Antwort des Menschen auf Gottes Handeln, wie es im Gebet oder auch  in der Liturgie Ereignis wird, wurde davon getrennt in der Moraltheologie behandelt. Ausserdem wurde in den Priesterseminaren Liturgik als Zeremonienkunde unterrichtet. Mit Theologie, gar mit einem theologischen Hauptfach, hatte das wenig zu tun.

Heute mag man sich fragen, wie es möglich war, das Handeln Gottes in der Liturgie und die Antwort des Menschen darauf auseinander zu reissen und an so unterschiedlichen theologischen Orten zu behandeln. Dem Wirken und Nachdenken der Pioniere der liturgischen Bewegung (etwa 1909-1965) verdanken wir die Wiederentdeckung der Einheit liturgischen Handelns als Dialog von Gott und Mensch. Weil es in diesem Dialog immer darum geht, dass der Mensch in das verwandelt wird, was er im tiefsten werden kann und soll – die Theologie nennt das Erlösung –, geht es in der Liturgie immer um existenziell wie gleichermassen theologisch höchst Bedeutsames. Die Mitte dieses Gespräch von Gott und Mensch ist die Feier von Tod und Auferstehung Jesu: Ostern, jeden Sonntag, in der Taufe, der Eucharistie, den anderen Sakramenten, der Verkündigung der hl. Schrift bis in die kleinsten Feiern hinein. Damit geht es in abgestufter und jeweils unterschiedlicher Weise immer um Leben und Tod, denn durch die Feier des Gottesdienstes in den Tod und die Auferstehung Jesu hinein genommen, kann auch der kürzeste Gottesdienst zu einem Überschritt werden, hin zu einem Leben in Fülle. Das zweite Vatikanische Konzil hat diesen Zusammenhang in der Liturgie-Konstitution als Pascha-Mysterium bezeichnet. Weil er so bedeutsam ist für den Menschen, hat die Liturgie-Konstitution beharrlich die Bedeutung der aktiven Teilnahme aller an der Liturgie hervorgehoben. Feiern Menschen so Gottesdienst, dann verändert sich unweigerlich ihr Leben und ihr Handeln auch im Alltag: Liturgie und Leben gehören zusammen.

Der Studiengang Theologie behandelt Liturgie und Sakramente in einem Fach. Das entspricht der Wiederentdeckung der Zusammengehörigkeit des Getrennten und der theologischen Wertschätzung der Liturgiewissenschaft durch das Konzil. Dennoch betritt der Studiengang Theologie hier Neuland: In vielen theologischen Fakultäten werden Liturgiewissenschaft und  Sakramententheologie noch immer an verschiedenen Lehrstühlen unterrichtet. Die dogmatische Sakramentenlehre handelt von den Sakramenten im Allgemeinen und den sieben Sakramenten im Einzelnen. Die Liturgiewissenschaft fragt nach den verschiedenen  Formen des Gottesdienstes unter geschichtlichen, systematischen und  pastoralen Aspekten. Für die Lehrveranstaltung als Grundlage wurde daher eine Auswahl mit Texten aus beiden Fächern getroffen. Die Vorlesungen unternehmen den Versuch einer Synthese:

  • durch eine ausführliche Grundlegung anthropologischer und theologisch-systematischer Art (Was ist Liturgie, was ein Sakrament? Wie steht der Mensch in der Liturgie? Wie handelt er mit Zeichen und Worten symbolisch und sakramental? etc.),
  • am Beispiel der Sakramente Taufe, Firmung, Eucharistie und Busse im Hinblick auf liturgische Feier wie auf den theologischen Gehalt dieser Sakramente,
  • am Beispiel Kirchenjahr und Tagzeitenliturgie unter anderem im Hinblick auf die Zeit des Menschen (anthropologisch) und die Feier des Pascha-Mysteriums (liturgie-theologisch),
  • durch exemplarische Berücksichtigung neuerer Fragen oder Feierformen in verschiedenen Kapiteln der Vorlesung.

Gunda Brüske

Fridolin Wechsler

Heute begegnet uns die Welt bereits im Kleinen in einer enormen Vielfalt, und wider Erwarten hat die Globalisierung nicht zum Verschwinden des Religiösen, sondern eher zu dessen Erstarken beigetragen. Eine Vielzahl von Lebensentwürfen und Handlungsmöglichkeiten bieten sich dem heutigen Menschen. Entscheidungen können von daher immer weniger auf der Basis von Traditionen, übernommenen Gewohnheiten oder bewährten Verbindlichkeiten gefällt werden, sondern fordern Erklärungen und Begründungen. Der Ruf nach «Ethik und Moral» ertönt immer öfter. Denn es wird schwieriger, das Gute und Richtige festzulegen und danach zu leben.
Dies hängt auch damit zusammen, dass wir Menschen heute dank technischer Errungenschaften vieles machen und beeinflussen können, das noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien. Damit wächst nicht nur unsere  Verantwortung, sondern auch das Bedürfnis, über unser Handeln nachzudenken, unsere Urteile methodisch wie inhaltlich zu überprüfen. Dies ist erst recht der Fall, weil wir heute wissen und ansatzweise erfahren, dass unsere Errungenschaften nicht nur mit grossen Heilsversprechungen verbunden werden, sondern die Menschheit und mit ihr die Erde zerstören können.

Vor diesem Hintergrund will Ethik die unterschiedlichsten (Wert-)Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen und Orientierungshilfen bieten. Durch ihre nähere Spezifizierung als «Christliche» Ethik wird sichtbar, dass jede Ethik auf Wertfundamenten ruht, die ihr in irgendeiner Weise vorgegeben sind. Dies besagt, dass jede Ethik mit einem Welt- bzw. Menschenbild verknüpft ist, dass in seiner letzten Konsequenz Gegenstand eines Glaubens
ist. Gerade im Hinblick auf die christliche Ethik ist in Erinnerung zu rufen, dass sie unter Einbezug des biblisch-christlichen Glaubens nicht neue inhaltliche Forderungen aufstellt, also kein «Mehr» an Inhalten gegenüber einer allgemeinen Ethik hat, hingegen durch die Beziehung auf den Glauben eine Grundlage und Motivation bietet, in der komplexen und oft als übermächtig erfahrenen Welt trotz allem mutig, verantwortungsbewusst und zukunftsbezogen zu urteilen und zu handeln. Denn menschliches Leben kann und darf glücken (vgl. Joh 10,10).

Im deutschsprachigen Raum spricht man heute vor allem von Ethik als wissenschaftlicher Reflexion des menschlichen Handelns und weniger von Moraltheologie. Moraltheologie wird aber innerhalb der katholischen Theologie gleichbedeutend mit Ethik verstanden und verwendet. Traditionell als zweiter Teil der Dogmatik verstanden, hatte die Moraltheologie die Aufgabe, über das Glaubensleben nachzudenken, das aus dem Glauben, der in der Glaubenslehre (Dogmatik, Fundamentaltheologie) reflektiert wird, herauswachsen soll.

Theologische Fundamentalethik (Theologische Ethik 1) denkt dabei über die anthropologischen Voraussetzungen und Bedingungen ethischen Handelns nach. Sie thematisiert das Menschenbild, dessen Beziehung zum  Glauben, aber auch Themen wie Gewissen, Freiheit, Verantwortung, Tugenden, Schuld, Sünde und Vergebung.

Auf der Grundlage dieser Überlegungen wendet sich die Angewandte christliche Ethik (Theologische Ethik 2) den Fragen des guten Lebens und der Gerechtigkeit im vielfältig konkreten Lebensalltag zu. Gerade hier wird deutlich, dass normative Fragen ohne den Dialog mit den Human- und Naturwissenschaften nicht angegangen werden können, sollen Handlungsoptionen mit konkretem Alltagsbezug erarbeitet werden. «Sachgerechtigkeiten» müssen hier sorgfältig abgeklärt und auch im Hinblick auf echte und menschengemachte Zwängen hin hinterfragt werden. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass der Mensch nicht verantwortlich handeln kann, wenn er über die Folgen nicht informiert ist.

Traditionell unterscheidet die angewandte Ethik dabei zwischen Individualethik und Sozialethik. Individualethik thematisiert das Handeln als Tun oder Unterlassen von Menschen als Einzelpersonen und deren persönliche  Verantwortung für sich selber wie auch für die Mitmenschen und die Gesellschaft. Sozialethik denkt über soziale, gesellschaftliche Verhältnisse, Strukturen, Regelsysteme und Ordnungen nach. Sie fragt nach der Verantwortung kollektiver Entscheidungs- und Handlungsträger. Meist können individual- und sozialethische Fragestellung nicht einfach voneinander getrennt werden. Sie bilden viel mehr zwei Zugänge, um ethische Fragestellungen anzugehen und nach Handlungsoptionen zu suchen.

Thomas Wallimann

Der christliche Glaube weiss sich heute umgeben von vielfältigen anderen Glaubensweisen. Mit grosser Selbstverständlichkeit leben Christinnen und Christen in Nachbarschaft mit Angehörigen des Judentums, des Islam, des Hinduismus, Buddhismus und weiteren religiösen Gruppierungen. Sie lernen andere Formen der religiösen Praxis kennen, aber auch Menschen ohne religiöses Bekenntnis. Wir leben unumkehrbar in einer multikulturellen
und religiös vielfältigen Welt – und das Fach «Christentum und Weltreligionen» will über diese Tatsache Rechenschaft ablegen. Es denkt darüber nach, was es bedeutet, dass der jüdisch-christliche Glaube im Kontext mit anderen Religionen steht. Theologische und religiöse Ähnlichkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet. Es geht um eine Verortung des Christentums innerhalb der grossen Religionen der Welt sowie um das Gespräch zwischen Christen und Angehörigen anderer Religionen. Ausgangspunkt für diese Neuorientierung bildet die neue Bestimmung der christlichen Kirchen in ihrem Verhältnis zu den anderen Religionen, insbesondere der Katholischen Kirche in ihrem Bezug zu den nicht christlichen Religionen auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die früher vorwiegend negative Einschätzung ist einer anerkennenden Haltung gegenüber den anderen Religionen gewichen. Die wichtigsten Religionen werden im Fach vorgestellt, in ihrem theologischen Selbstverständnis, ihren heiligen Schriften, in ihrer ethischen und religiösen Praxis: das Judentum als Herkunftsreligion des Christentums, die verschiedenen Richtungen des Islam, die Hindu-Religionen, dazu  deren Reformreligionen Buddhismus und Jainismus. Diese Darlegungen der grossen Weltreligionen münden ein in eine Neubestimmung des christlichen Glaubens, der von den anderen Religionen bereichert werden kann. Es geht um das Christsein im Spiegel der Weltreligionen, um theologische Streitpunkte, aber auch um mögliche Kooperationen für eine Welt in Freiheit und Gerechtigkeit. Das Fach «Christentum und Weltreligionen » bringt sowohl eine Horizonterweiterung als auch eine Herausforderung für unseren Glauben. Es überlegt nicht zuletzt, was die Offenbarung und Botschaft
Jesu Christi für diese neue Zeit bedeutet und welche Hoffnungen für alle Menschen damit verbunden sind.

Stephan Leimgruber

Unter Kirchenrecht stellen sich viele eine staubtrockene und todlangweilige Materie vor. Das Recht ist aber nicht nur eine – auch für die Kirche – wichtige Angelegenheit, sondern eine ebenso spannende: In ihm wird vieles konkret, was die Theologie an Grundsätzlichem entwickelt und reflektiert: Kirchenverständnis, Amt und Macht, Ehe, Geld, Stellung der Frauen u. a. m. Weil es so eindeutig und konkret wird, wird es auch streitbar. Nicht selten
wird das Kirchenrecht verantwortlich gemacht für manch schwierige Situation der Kirche, und man oder frau wünscht sich eine rechtsfreie Kirche. Dieser Wunsch geht aber nicht nur an der Realität vorbei, er verkennt auch die Chancen, welche eine Rechtsordnung bietet.

Im Fach Kirchenrecht werden zwei verschiedene Rechtssysteme behandelt:

  • Das Recht der Kirche, d. h. das Recht, welches sich die katholische Kirche selbst gibt. Dieses Recht wird als kanonisches Recht bezeichnet, benannt nach den einzelnen Rechtsnormen, die canones heissen. Das kanonische Recht ist zu einem grossen Teil im Gesetzbuch von 1983 enthalten, dem Codex Iuris Canonici (Abk.: CIC).
  • Das Recht des Staates für die Kirchen und für andere Religionsgemeinschaften, dieses wird als Staatskirchenrecht oder in neuerer Zeit auch als Religionsrecht bezeichnet. Hierbei beschäftigen wir uns vor allem mit dem Recht, das die Deutschschweizer Kantone erlassen.

Die Vorlesung und das Skript Kirchenrecht sind in fünf Kapitel aufgeteilt. Das erste Kapitel führt in die Begriffe und Grundlagen ein, um so die beiden Rechtssysteme richtig unterscheiden zu können. Die Kapitel 2 bis 4 behandeln einzelne Themen des kanonischen Rechts, das Kapitel 5 das Staatskirchenrecht der Schweiz.

  1. Kanonisches Recht: Aus dem kanonischen Recht werden folgende Themen behandelt:
    a) Wer gehört zur Kirche? Die scheinbar einfache Frage führt zu verschiedenen Aspekten: Was meinen wir überhaupt mit Kirche? Was ist das unterscheidend Katholische? Was bedeuten die sog. drei Bänder, welche die Zugehörigkeit regeln? Welche Folgen hat der Kirchenaustritt? Schliesslich werden in diesem Kapitel auch die Zulassungskriterien zu Taufe, Firmung und Eucharistie (Initiationssakramente) erörtert; dies ist gerade für jene Studierenden bedeutsam, die in der Sakramentenkatechese tätig sind (Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung).
    b) Der Aufbau der katholischen Kirche und die Ämter: Die katholische Kirche mit ihren über 1 Mrd. Gläubigen ist in verschiedene Strukturebenen aufgeteilt, die von verschiedenen Amtsträgern geleitet werden. Das Kapitel soll die wichtigsten Ebenen, ihre Ämter und synodalen Organe darstellen, um so die Organisation der Kirche besser zu verstehen. Dabei ist der Amtsbegriff selbst zu vertiefen, unterscheidet die Kirche  doch seit dem Mittelalter den sakramentalen Aspekt (Weihe => Weihegewalt) vom funktionalen Aspekt (Amt => Jurisdiktionsgewalt), was insbesondere heute, da immer mehr «Laien» (= Nicht-Kleriker) im kirchlichen Dienst stehen, bedeutsam ist. Schliesslich beschäftigt uns auch das Thema der Nichtzulassung der Frauen zur Weihe.
    c) Das Eherecht der katholischen Kirche ist jenes kirchenrechtliche Thema, das am meisten gefragt und zugleich hinterfragt wird. Was ist eine Ehe? Wann ist eine Eheschliessung gültig, wann sakramental? Wann kann eine gültige Ehe aufgelöst oder eine ungültige für nichtig erklärt werden? Einige wichtige Elemente des Eherechts werden in einem geschichtlichen Abriss und systematisch dargestellt, um so ein Verständnis für diese geschichtsträchtige Rechtsmaterie zu gewinnen
  2. Staatskirchenrecht
    Das Staatskirchenrecht der Schweiz ist  eine komplexe und zugleich höchst spannende Angelegenheit: Der Bund sichert die Religionsfreiheit aller Menschen in der Schweiz, die Kantone sind zuständig, das Verhältnis zu den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften zu gestalten. Dabei gehen die Kantone nicht nur unterschiedlich, sondern auch recht speziell vor, indem sie von den Kirchen eine spezifische (staatskirchenrechtliche) Organisationsstruktur verlangen, damit diese zu Kirchensteuern kommen. Die katholische Kirche erhält dadurch in der Deutschschweiz ein «helvetisches Gepräge», welches den Gläubigen viele Mitspracherechte in kirchlichen Angelegenheiten einräumt. Für alle in der Pastoral Tätigen ist es wichtig, dieses staatskirchenrechtliche System zu verstehen, aber auch die Abgrenzungsschwierigkeiten und Spannungen zu erkennen.

Urs Brosi

Von der Pastoraltheologie zur Praktischen Theologie

Die praktische Theologie geht als selbständige Disziplin auf das 1774 beschlossene und 1777 an der Universität Wien eingeführte Fach Pastoraltheologie zurück. Dieses vermittelte den künftigen Pastoren, was sie für die Ausübung ihres Berufes benötigten. Bis in die 1960er Jahre leitete die Pastoraltheologie dazu an, die Erkenntnisse der Bibelwissenschaft und der systematischen Theologie auf die Leitung der Gemeinde, die Predigt, den Religionsunterricht, das seelsorgliche Gespräch usw. anzuwenden.

Im Zuge der wissenschaftstheoretischen Diskussion der Theologie in den 1970er Jahren kam es zu einer Neubesinnung auf die Pastoraltheologie, die sich seither als Praktische Theologie (PrTh) versteht. Sie kann als «kritische Theorie kirchlicher Praxis in der Gesellschaft» (N. Greinacher) umschrieben werden. Die PrTh reflektiert nicht das Handeln pastoraler AmtsträgerInnen, sondern beschäftigt sich mit der Praxis von Einzelnen, Gruppen, Pfarreien und der Kirche insgesamt. Dabei arbeitet sie mit Human- und Sozialwissenschaften wie Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Ökonomie zusammen. Die zentrale Aufgabe der PrTh besteht darin, Sozialform und Praxis der Kirche auf allen Ebenen daraufhin zu befragen, ob sie angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen dem biblisch bezeugten Anspruch eines Lebens aus dem Glauben heraus entsprechen. Im Rahmen des STh können nicht alle Bereiche der PrTh wie Religionspädagogik, Liturgik, Homiletik oder seelsorgliche Beratung behandelt werden. Die PrTh im STh beschäftigt sich vor allem mit der christlichen Gemeinde bzw. der kirchlichen Pfarrei.

Impulse des Zweiten Vatikanums für eine Pastoralkonzeption

Die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums  «Die Kirche in der Welt von heute» enthält einige für die PrTh grundlegende Impulse. Es wird die Option für die «Armen und Bedrängten aller Art» benannt, die für die Kirche auf allen Ebenen bestimmend sein müsste: «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi» (GS 1). Zudem hat das Konzil den Ansatz einer Pastoralkonzeption entwickelt, wenn es eine Methode vorschlägt, mit der die Kirche ihren Auftrag, «das Werk Christi selbst weiterzuführen» (GS 3), erfüllen kann: «Zur Erfüllung ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und diese im Lichte des Evangeliums zu deuten» (GS 4). Ausgangspunkt der PrTh ist die Analyse der gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse. Diese werden im Licht des Evangeliums gedeutet, um im Sinne Jesu handeln und sein Werk weiterführen zu können. Damit bestätigte das Konzil den methodischen Dreischritt der Katholischen Aktion «Sehen – Urteilen – Handeln», der später in der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung zur sozial- analytischen, hermeneutischen und praktischen Vermittlung des Glaubens weiterentwickelt wurde.

Praktische Theologie als Reich-Gottes-Theologie

Die Praxis der Kirche sollte sich am Reich Gottes als dem zentralen Anliegen Jesu ausrichten, wie das Zweite Vatikanum in der Kirchenkonstitution (LG 5 und 9) und in der Pastoralkonstitution (GS 45) festgehalten hat. Das Reich
Gottes ist nicht nur die Mitte des persönlichen Glaubens, sondern müsste auch die bestimmende Bezugsgrösse für die gesamte Theologie, vor allem aber für die PrTh sein. Nachdem Ansätze einer konsequent am Reich Gottes orientierten Theologie in der Tübinger Schule des 19.Jh. nicht weiterentwickelt werden konnten und nachdem die Theologie der Befreiung das Reich Gottes zum zentralen Gegenstand ihrer Reflexion gemacht hat, wird die PrTh
als Reich-Gottes-Theologie konzipiert.

Urs Eigenmann

Unsere News

Der Studiengang Theologie STh startet in das Sommersemester …

In der ersten Märzwoche startete der Studiengang Theologie STh in das Sommersemester 2026. Vor vollem Plenum begann am Montag, 2. März, Frau Dr. Christiane Schubert mit ihrer Vorlesungsreihe “Christentum und Weltreligionen”, während am Donnerstag, 5. März, Herr Dr. Felix Senn